Von der Erde genommen

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Künstlerische Positionen mit/über Sand, Ton, Keramik und Lehm

Dauer: 12.03. – 22.04.2018

Öffnungszeiten: Fr/Sa 16–19 Uhr, So 13–17 Uhr
und nach Vereinbarung (0173 9812380)

Mit Arbeiten von Harun Farocki, Well Habicht, Paul Simon Heyduck, Eberhard Linke, Patrick Richter & Thomas Tiltmann, Sigrid Siegele

Wir müssen davon ausgehen, dass schon unsere Ahnen gerne im Matsch gespielt haben. Lange bevor Menschen ihre Umwelt mit Werkzeugen gestalteten, haben die Hände unserer Vorfahren bar jeder Hilfsmittel nasse Erde geformt.

Ohne große Mühe lassen sich Sand, Ton und Lehm bearbeiten, es entstehen Haufen, Würste, Kugeln und Körper. Leider können wir uns diese frühen Zeugnisse menschlichen Handelns nur innerlich vor Augen führen. Vermutlich lag die Halbwertszeit der entstandenen Produkte im Idealfall bei wenigen Tagen.

Doch der Gestaltungswille des Menschen forderte Dauer und aus Lehm wurden Ziegel, aus Ton wurde Keramik und aus Sand wurden Mörtel und Zement. Der ursprünglichen Geste der Hand-Arbeit wurden über die Jahrtausende mehr und mehr Möglichkeiten hinzugefügt, so das die Zahl der Formen ins schier unermessliche stieg. Was Künstler der letzten Jahrzehnte mit ihren Vorfahren aus grauer Vorzeit verbindet, ist der Wille zur Be-Geisterung des Materials, oder anders gesagt: der Wille der Erde Leben einzuhauchen.

Die Ausstellung versammelt Positionen, denen der Rückgriff auf Sand, Ton oder Lehm – Bodenstoffen also – gemein ist. Ob unmittelbar, gebrannt, verformt, filmisch oder ganz anders: eine Erdnähe ist den hier versammelten Positionen trotz medialer Vielfalt nicht abzusprechen. Damit verbunden ist auch das gefühlte Gewicht, denn die hier versammelten Werke wiegen schwer.

„Von der Erde genommen“ – der Titel der Ausstellung variiert einen biblischen Satz, der zentral ist im christlichen Trauerritus. Zum einen verweist er auf das dem Künstler durchaus verwandte Bild der göttlichen Belebung, der Erschaffung des Menschen aus dem Boden des Ackers.

Der Rückgriff auf diese Zeilen geschieht jedoch auch, um der Stifterin der Räumlichkeiten mit dem Auftakt zu gedenken. In den ersten Wochen des vergangenen Jahres verstorben, hinterlässt Sigrid Siegele in den Reihen der Darmstädter Sezession eine große Lücke. Aber so wie zu Lebzeiten hat sie auch in Abwesenheit noch viel zu geben: Erinnerungen, Werke und den Auftrag, ihre frühere Wirkungsstätte mit neuem Leben und neuer Kunst zu füllen.